Nachzerfallswärme

Mit Nachzerfallswärme bezeichnet man in der Kernreaktor-Technik die Wärmeleistung, die nach dem Beenden der Kettenreaktion in den Brennelementen noch neu entsteht. Da der Neutronenfluss z.B. durch Einfahren der Steuerstäbe nahezu zum Erliegen gebracht wird, finden nach der Abschaltung kaum neue Spaltungsreaktionen statt. Die Nachzerfallswärme kommt vielmehr dadurch zustande, dass die vorhandenen, kurzlebigen Spaltprodukte radioaktiv zerfallen. Die Wärmemenge und der Dampfdruck reichen nach dem Abschalten im Allgemeinen nicht mehr für den Betrieb der Dampfturbine aus. Die Nachzerfallswärme muss daher komplett über den normalen oder einen speziellen Kühlkreislauf abgeführt werden. Diese Wärmeleistung beträgt unmittelbar nach dem Abschalten zwischen 5 % und 10 % der vorherigen thermischen Leistung des Reaktors; abhängig vom Reaktortyp, der Betriebsdauer und dem eingesetzten Kernbrennstoff. Ein Grossreaktor von beispielsweise 1’300 MW elektrischer Leistung, d.h. rund 4’000 MW thermischer Leistung, hat somit direkt nach der Abschaltung noch rund 200 bis 400 MW Wärmeleistung, die danach relativ schnell abfällt. 
Durch die Nachzerfallswärme können bei vollständigem Ausfall der Kühlung Schäden am Reaktor bis hin zur Kernschmelze eintreten. Deshalb benötigen Leichtwasserreaktoren geeignete Notkühlsysteme.